Waren die alten Zeiten besser?

12.09.09 09:22

Ernährung nach dem Krieg

Ich bin jetzt im Fernsehen. Als Ernährungsexpertin für den neuen Fernsehsender ServusTV. Für mich eine tolle Gelegenheit mich immer wieder mit spannenden Spezialthemen auseinander zu setzen. Anlässlich des Nationalfeiertags gibt's eine Spezialsendung über die 50er Jahre. Meine Aufgabe: was hat man damals gegessen? Waren die guten, alten Zeiten besser? 

Meine Recherche katapultiert mich 50 Jahre zurück. Familie, Freunde und Kunden müssen herhalten und über die Vergangenheit erzählen. (Vielen Dank an der Stelle für alle, die mir geholfen haben!!) Das Spannende an den Interviews waren die Personen selbst und deren Reflexion. Von "geschmeckt hat eigentlich alles fad" über "wir waren zufrieden mit dem was wir hatten" bis hin zu "Die Mandarine in der Weihnachtszeit war ein besonderes Highlight" war alles dabei.

Natürlich hat es nicht so viel gegeben wie heute. Und leisten konnten man sich die neuen Sachen schon gleich gar nicht. Aber was muss das für eine Freude gewesen sein, wenn es einmal ein Eis gab oder am Sonntag der ersehnte Schweinsbraten auf dem Tisch stand? Welch ein Genuss war die erste Orange und wie sehr haben sich Kinder über ein paar Zuckerl gefreut? Epikur, mein griechischer Lieblingsphilosoph hätte sein Freude gehabt, denn seiner Meinung nach erfährt derjenige den höchsten Genuss, der vorher die Entbehrung erlebt hat. 

Und heute? Heute kämpfen wir mit der Flut des Nahrungsmittelangebots, mit lästigen Kilos, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien. Das Eis am Stiel ist schon lange kein Highlight mehr und Fleisch -damals das Wohlstandsnahrungsmittel schlechthin- kämpft um seinen guten Ruf. Im Winter 46/47 bekam der durchschnittliche Österreicher gerade mal 900 Kalorien pro Tag, 10 Jahre später konsumierte ers fast 3000! Der Jo-Jo-Effekt in Reinkultuer hat damals zugeschlagen. Schon ab Mitte der 50er Jahre hatten viele mit Überwicht zu kämpfen. Zu schnell passte sich der Mensch dem stetig wachsenden Angebot an. Die ersten Packerlsuppen entzückten die Hausfrau und Ende der 50er Jahre waren die ersten Pommes Frites und der Hot Dog die Erfüllung aller Essenträume....

Wer lebte also gesünder? Wir heute oder unsere Eltern und Großeltern? Manches war besser, keine Frage: man kochte viel selbst und verspeiste Gemüse saisonal. Manches war schlechter: man aß jede Menge Kohlenhydrate, fette Soßen und wenig Fisch und die Vitamine gab's auch nicht das ganze Jahr.

Wer sich heute gesund und ausgewogen ernährt, lebt mit Sicherheit gesünder und länger wie damals. Wer mehr Genuss hatte, bleibt dahin gestellt...

Wagen Sie ab und zu den Blick zurück, es lohnt sich!

Mehr dazu am 26.10. in der Sendung "Gut Leben" auf Servus TV - und sonst immer donnerstags um 18.30 Uhr !!!